Ich bin seit September 2002 im St. Bernhard tätig und setze in Kürze meine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin fort. Zu Beginn war ich überwiegend in der Patientenbetreuung und der Sonographieuntersuchungen tätig. Hierbei ist zu bemerken, dass die Kosten für einen Sono-Kurs vom Krankenhaus übernommen wurden. Aber auch andere Funktionsuntersuchungen wie Gastroskopien, Coloskopien, Beckenstanzen und Sternalpunktionen können von jedem Assistenten übernommen werden. Mittlerweile ist es so, dass es einen Funktionsassistenten gibt, der die überwiegende Anzahl der Endoskopien übernimmt.
Rangeleien um Untersuchungen gab es somit angenehmerweise nicht. Auch die duplexsonographischen Untersuchungen und Echokardiographie können von jedem Assistenten erlernt werden. Am Ende der Untersuchungen erfolgt dann in aller Regel bei schwierigen Befunden die Kontrolle durch einen Chef oder Oberarzt. Dies gilt auch für Nachfragen während einer Untersuchung. Zuständig für diesen Bereich sind der Hr. Glock und der Oberarzt Dr. Jahn. Zeitlich limitiert ist die eigene Fortbildung nur durch die Patientenbetreuung. Diese beträgt im Schnitt 12 Patienten und ist gut zu schaffen.
Es erfolgt eine wöchentliche Oberarzt- und eine Chefarztvisite, in der alle Fragen geklärt werden können. Die Diagnostik und Therapie der Erkrankungen erfolgt pragmatisch und orientiert sich vor allem an der Anamnese des Patienten. Die weiteren Untersuchungen bestätigen dann idealerweise nur noch die Verdachtsdiagnose. Dies ist insofern sehr lehrreich, da man bereits in der Aufnahmesituation gehalten ist, die weitere Behandlung zu planen. Zu den regulären Arbeitszeiten wird jeder Patient in aller Regel von Dr. Bigge gesehen und das weitere Procedere festgelegt.
Nach anderthalb Jahren wechselte ich für 6 Monate auf die Intensivstation. Es gibt 10 Betten (hierbei inbegriffen sind auch die Überwachungsplätze für die postoperativen Patienten), wovon meist 5 Betten internistisch belegt sind. Beatmungen und intensivmedizinische Betreuung sind internistisch geführt. Es gibt maximal 3 Beatmungsplätze. Bei akutem Nierenversagen besteht die Möglichkeit zur Dialyse. Die Einarbeitung erfolgt durch Dr. Bigge und die Assistenten. Hierbei ist es sehr hilfreich, dass Dr. Bigge anästhesiologisch sehr erfahren ist und gern bereit ist, sein Wissen weiter zu geben. Anschließend konnte ich nach Abschluss der Fachkunde Rettungsmedizin an den täglichen Notarzteinsätzen innerhalb der Woche teilnehmen. An Wochenenden und nachts wird der Notarzt durch den Notärzteverein gestellt.
Die neue Arbeitszeitregelung machte es glücklicherweise nicht erforderlich im Mehrschichtsystem zu arbeiten, so dass für jeden Assistenten im Durchschnitt 5 Dienste anfallen. In der Woche beginnt man am frühen Nachmittag und der Dienst geht bis zum Vormittag des folgenden Tags. Die Dienstplangestaltung und Urlaubsplanung erfolgt alleine durch die Assistenten. Während der Dienste ist man für die Intensivstation und die Patientenaufnahme zuständig. Bei Rückfragen ist der Hintergrund jederzeit erreichbar. Gerade am Anfang der Ausbildung ist es kein Problem auch wegen "kleinerer" Probleme einmal anzurufen.
Neben der Behandlung der üblichen allgemeininternistischen Erkrankungen besteht auch eine Hämatologie-Onkologie, die von Dr. Austein betreut wird. Die Chemotherapie werden ambulant und vom Chefarzt selbst durchgeführt. Ein Assistent ist mit der Betreuung der stationären onkologischen Patienten betraut.
Insgesamt ist an den Arbeitsbedingungen folgendes positiv hervorzuheben: der Umgang miteinander ist sehr kollegial und die Atmosphäre ist fast familiär. Hierzu trägt auch bei, dass man schon nach kurzer Zeit die überschaubare Anzahl an Mitarbeitern kennt, was vieles im Alltag erleichtert. Das Mittagessen wird in aller Regel gemeinsam eingenommen. Hierbei ist auch zu bemerken, dass es sich um überdurchschnittlich gutes Kantinenessen handelt. Von der Ausbildung kann man sich selbst eigene Schwerpunkte setzen und sich in bestimmte Funktionsbereiche einarbeiten. Die Hierarchien sind eher flach und ein kritischer Dialog über Diagnostik und Therapien ist durchaus gestattet. Außerdem findet regelmäßig während der Arbeitszeit eine zertifizierte Fortbildungsveranstaltung statt, was für ein Haus dieser Größe sicherlich ungewöhnlich ist.
Zur Erlangung des Facharztes Innere Medizin kann man sicherlich einen Großteil, wenn nicht sogar seinen gesamten Katalog, an Untersuchungen zusammenbekommen. Auch für die Weiterbildung zum Allgemeinarzt ist das Krankenhaus empfehlenswert, da hier ein großer Bereich an internistischen Erkrankungen abgedeckt ist.
Brake, den 17.02. 2007
Christian Gehrke
St. Bernhard-Hospital
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