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Erfahrungsbericht von Dr. Daniel Hallmann

Paradiesische Zustände für Ärzte

Meine Zeit in der Inneren Abteilung des St. Bernhard – Hospital Brake "Links der Weser" war in der Gesamtbilanz äußerst positiv. Im Rahmen meiner Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin arbeitete ich 6 Monate in der Notaufnahme/Intensivstation.

Das Konzept der Inneren Abteilung ist simpel, jedoch höchst effektiv. Am Anfang steht die ausführliche Anamnese und gründliche körperliche Untersuchung des Patienten. Nach Supervision mit ggf. kurzem teaching durch den Chefarzt wird dann gemeinsam die Arbeitsdiagnose festgelegt. Die anschließenden diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen werden besprochen, wobei man – je nach Fähigkeiten – angehalten ist, möglichst viele Untersuchungen gleich selbst durchzuführen.

Das Verhältnis zwischen den Kollegen untereinander – auch fachübergreifend – ist freundschaftlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Die Hierarchien sind äußerst flach, wobei die Chefärzte und der Oberarzt sich ihren Respekt durch Wissen, Können und Erfahrung verschaffen und nicht durch die ansonsten häufig anzutreffende "angeborene" Arroganz. Auch das häufig in anderen Häusern gestörte Ärzte/Schwesternverhältnis kann man hier als durchaus harmonisch und freundschaftlich bezeichnen.

Aus meinen reichhaltigen Erfahrungen mit anderen Krankenhäusern kann ich sagen, in keiner anderen Abteilung war die Atmosphäre so positiv und wurde während der Arbeit so häufig und viel gelacht.

Die Überstunden halten sich im Rahmen, können bei Bedarf abgefeiert werden und wurden in meiner Zeit auch ausgezahlt.

Fortbildungsurlaub wird generell in voller Länge gewährt, und alle für das Krankenhaus sinnvollen Weiterbildungen wie z.B. Sonographie-, Strahlenschutz- oder Notarztkurs werden vom Haus bezahlt.

Selbst die Küche bietet keinen Anlass zur Kritik. Es gibt 2-3 Essen zur Auswahl, davon ist eines vegetarisch. Meist wird das Essen gemeinsam eingenommen, wobei gleichzeitig ein sozialer und fachlicher Austausch stattfindet. Und natürlich steht das "www" bei drängenden Fachfragen jederzeit bereit.

Man kann hier also von paradiesischen Zuständen für Ärzte – ob jung oder alt – sprechen, die im Vergleich zum deutschen Standardkrankenhaus eine wirkliche Alternative zur Hierarchie, Frustration und Verblödung suchen.

Was habe ich hier alles gelernt? Zuviel, um es alles aufzuschreiben. Aber wenn ich noch mal die Wahl hätte, ich würde es wieder tun. Und wie heißt es so schön: "es war ne geile Zeit, doch es ist vorbei".

Brake, 29.11.2007
Dr. Daniel Hallmann

 

aktualisiert am  27.10.2011nach oben

 

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